24.05.2010 - Zeiten, in denen die Jungs von
Beat!Beat!Beat! Auftritte in Clubs hatten, in denen sie selbst nicht
hätten auftreten dürfen, die elterliche Erlaubnis noch in der
Brusttasche ihres karierten Hemdes mit sich trugen, nach Mitternacht
die Bühne geräumt haben mussten, in Jugendherbergen oder modrigen
Tourbussen schliefen und nach einem Bier die Maß voll war sind
vorbei.
Marius, Joshua, Moritz und Tim
verkaufen jetzt selbst designte T-Shirts am Merch-Stand, bleiben auch
noch nach dem Konzert, um DJ-Sets zu spielen, toben im
Backstage-Bereich umher, bestellen ohne Weiteres Wodka Lemon on the
Rocks, übernachten in Sternehotels mit Wellness-Bereich und klingen
wie die Band, deren größte Fans sie selbst gewesen sein könnten.
Eben noch traten die Schulfreunde in
ihrer Heimatstadt Viersen am Niederrhein auf, als sie nur aus der Not
heraus entstandene Sets und noch nicht einmal einen Bandnamen hatten,
bald darauf wurden sie auch schon für das Apple Tree- oder Dockville
Festival gebucht, diese Male mit weniger intuitiven Sets und einem
Bandnamen. Und der hat ganz und gar nichts mit der in den Sechzigern
und Siebzigern populären Musikshow zu tun, die dienstags und
freitags nach der Tagesschau legendäre Solisten und Bands zu sich
lud, sondern steht plakativ und ausdrucksstark für das, was sich die
Burschen zu Herzen genommen haben: Musik passend zum Takt des
Herzens.
Im Oktober 2009 kamen sie dann endlich
den flehenden Schreien ihrer Fans nach und veröffentlichten ihre
erste EP „Stars“, mit der sie Musikkritikern zur Folge auf
direktem Wege in den von selbigen erstrahlten Himmel aufstiegen.
Klassische Indiehampelmänner in
zerschlissenen Jeans, Math-Rocker, Foals-Klone, es gibt viele
Schubladen, in die sich die Vier von Beat!Beat!Beat! einordnen
ließen, spätestens aber nachdem man sie einmal live gesehen hat,
bleibt es nicht aus seinen ersten Eindruck zu überdenken.
Die Vier sind schlaksig, ihre Haare
liegen wie Kraut und Rüben, sie lächeln verschmitzt und auch die
Hosen rutschen, aber Stimme und Instrumentalität sitzt. Dass das
samstägliche Publikum auch und gerade wegen des Beat!-Quartetts da
ist, erkennt man auf dem (Pop Up-Festival sofort.
Zwar hallt im ersten Song der Sound und
die Stimme des Sängers Joshua ist kaum zu hören, aber nach
gekonnten Griffen an den Verstärkern und bestimmenden Handzeichen
zum Tonmann ist die Akustik auf ihrer Seite. Und spätestens als der
zweite Song angespielt wird, ist die Masse in Bewegung, Beine wippen,
Körper schwingen, Herzen schlagen wie Metronome. An Schlagzeug,
Gitarre, Keyboard, Synthesizern, Mikro und einem leerem Flaschenkopf
als Percussion-Ersatz haben Joshua und Co. das Publikum im Griff. Vor
allem aber beweisen sie, dass sie keine Musik mehr machen, um in der
ersten Reihe des Indierocks mit zu tanzen. Texte und Arrangements
sind komplexer und durchdachter, trotzdem aber nicht weniger tanzbar
und qualitätiv kein Vergleich zu ihren Download-Versionen auf
Last.fm.
Unter ihren kaum drei Minuten langen
Songs tummelt sich auch allerhand Neues, darunter
bedeutungsschwangere Titel wie „Graveyard“, „Bravery“ oder
„Lightheavy Rapture“ wovon jeder einzelne in die Beine geht und
im Kopf bleibt.
Schnell wird klar, dass diese Band vor
jugendlicher Energie strotzt, die sie in ihren Songs und auf der
Bühne ausleben und die wie ein Lauffeuer alles ansteckt, was nicht
bei drei auf dem Baum ist.
Man hat das Verlangen zu tanzen, als
würde niemand zu sehen und zu lieben, als würde es nicht wehtun,
man zelebriert den Moment und kostet die Zeit aus, denn schon nach
einer halben Stunde ist der Glücksmoment verflogen und man wird
allein zurück gelassen, beschwingt und mit sich überschlagenden
Erinnerungen an Textzeilen im Ohr. Einziger Wermutstropfen: Ein sich
an das letzte Konzert anschließende DJ-Set nach Beat!-Manier, zu dem
aber kaum niemand als die Band selbst tanzt.
Lang wird es wohl nicht mehr dauern,
bis auch der letzte an den Himmel sieht und diesen Stern erkennt.