Home
Newslog
On Tour
Melt! 2010
Serengeti Festival
Campusfest 2010
Florence + The Machine
Wave Gotik 2010
Beat!Beat!Beat!
Ego Tronic & Bondage Fairies
Train in Berlin
(Pop Up 2010 Überblick
(Pop Up 2010 - Denis Jones
WGT in Leipzig
Jack Beauregard & Timid Tiger
A Fine Frenzy
The BossHoss im Gewandhaus
Hot Wire und Skinny Jim
Bryan Adams in Dublin 2005
Round and round für Bryan Adams
Plattenladen
Business
Interviews
Fotos
Links
Kontakt
Impressum


von Floree

zum WGT 2010 Fotoalbum

Man kann sich auf dem WGT stressen und versuchen, so viel wie möglich mitzunehmen. Man kann sich gemütliche vier Tage machen, den Zeltplatz vielleicht nur zum essen und duschen verlassen, oder man wählt den goldenen Mittelweg, sucht sich im Vorfeld ein paar Konzerte raus, die man sehen will und freut sich dann, wenn man es zu dem ein oder anderen auch schafft. Wir haben alles mal ausprobiert, bis auf die Sache mit dem zelten. So starteten wir ganz gemütlich am Freitag 13:00 Uhr mit einem kleinen Schminkkurs in das Wochenende. An MakeUp und Kriegsbemalungen war unter den zahlreichen Gästen alles dabei, von Farbe vergessen bis reingefallen in den Topf. Bei vielen Augen konnte das Schwarz nicht dick genug sein – verdeckt auch prima die dicken dunklen Augenringe, die man im Allgemeinen ab dem zweiten Tag hat – und besonders Montag sahen wir die Lippen der Damen immer dunkler werden. Neben weißen Gesichtern gab es auch blutige, neben unspektakulären auch solche, auf denen man den Blick gerne eine Weile ruhen ließ. Auch an Kleidung war für jeden Geschmack etwas dabei. Von sexy Unterwäsche über Fetzen bis hin zu viktorianischen Kleidern sah man alles durch die Straßen Leipzigs huschen. Röcke trug man dieses Jahr durchsichtig, wenn überhaupt. Spritzenhalsbänder und Schirme waren beliebte Accessoirs. Unser erster Gang mit neuen Gesichtern führte uns dann auch gleich auf das AGRA Gelände, wo wir uns mit allem was das Herz begehrt eindecken konnten. Am meisten begeisterte mich die Auswahl der Petticoats, die ich jedoch im Gegensatz zu den WGT-Besuchern drunter ziehen würde. An den Kleidern bin ich dann doch lieber schnell vorbei gegangen. Meine VISA Karten rauchten zwar noch nicht, aber ich hab auch noch keinen gefunden, der freiwillig die Rechnung begleichen würde, die ja leider folgt. Und ganz praktisch sind die traumhaft schönen Kleider auch nicht. So manche Dame füllte stolze zwei Kinderwagenplätze in der Straßenbahn mit ihren Reifröcken, wenn sie denn noch reinkam. Ohne neue Errungenschaften ging es dann erst einmal für eine kleine Stärkung nach Hause, bevor wir am Abend ins Werk II stöckelten. Das war gut gefüllt, kein Wunder bei den rockigen Klängen, die uns schon auf dem Hof entgegen schlugen. Als wir eintraten, standen gerade Eisheilig auf der Bühne. Mich haben sie sofort überzeugt und ich hoffe, bald die aktuelle CD „Imperium“ von ihnen zu bekommen. Der Sound war schwer und doch erfrischend.

Danach betrat die Band Untoten die Bühne. Der Applaus galt wohl erst einmal dem Outfit der Sängerin. Die hatte den lästigen Rock einfach weggelassen und nur ein Korsett mit einem goldenen Pailettenbalero getragen. War ja auch viel zu warm für mehr Kleidung. Ich weiß wovon ich rede, denn ich hielt es vor Hitze an den Füßen kaum noch aus. So ist das in dichtgedrängten Mengen, man friert nicht. Die Untoten waren wahrscheinlich auch musikalisch gar nicht zu verachten, aber ich kam nicht über die Zeilen ihres Openers hinweg: “Weißt du noch, weißt du noch wie es früher war, ich weiß es noch, ich war ja selber da.” Ich bin mir sehr sicher, dass meine Oma mit irgendwann einmal das Lied in ihrer Lieblingssendung Musikantenstadl vorgespielt hat. Zumindest zu den Feiertagen lässt man sich von seiner Verwandtschaft zu vielem zwingen und irgendwann einmal drehe ich den Spieß um, dann feiern wir bei mir und ich lege Eisheilig oder Lord of the Lost auf. Aber noch gibt es Florian Silbereisen und seine Freunde zu Weihnachten. Wer nur hat das Lied gesungen? War es Andrea Berg oder Helene Fischer? Oder sollten die Untoten gar die neue Band von Michelle sein? Die brauchte doch mal wieder Geld? Ich hab von dem Rest der Show nicht viel mitbekommen, weil ich krampfhaft versuchte mich zu erinnern, von wem das Lied war. Nur so viel, die Untoten singen teilweise auch auf Englisch und wenn ich ein paar Textzeilen ausgemacht habe, dann waren es nie gute und als wir gingen, mußte ich erst einmal ein wenig Frust ablassen. Das haben wir gleich in positive Energie umgewandelt und uns die MySpace Profile einiger Bands angeschaut, die Samstag auftraten, um uns einen Plan zu erstellen. Es wurde ein sehr voller Plan. Am Ende war fast der ganze Samstag bei mir angestrichen. Also ins Bett und versucht, genug Schlaf zu bekommen.

So etwas klappt natürlich nie. Der natürliche Tagesrhythmus lässt einen nicht länger schlafen, nur weil WGT ist und dann brauchte man ja auch noch Zeit, weil es nun ans selber schminken ging. Meine Arbeitskollegen haben mich nicht wieder erkannt, als wir mal vorbeischauten und Hallo sagten, also ist zumindest diese Mission geglückt. 12:30 Uhr schon hatten wir als kleines Frühstück das Düsterpiano mit Dr. Oliver Niemzig (http://www.Oliver-niemzig.de) in der Sixtina auf dem Plan stehen. Dafür hatte sich das frühe Aufstehen auch wirklich gelohnt und es wurden gleich einmal Pläne geschmiedet für die Hochzeit, sollte es irgendwann einmal dazu kommen. Hehe, soviel zu den Racheplänen zwecks Musikantenstadl. Das Düsterpiano heißt nicht ohne Grund so, es klingt wirklich düster. Aber sehr gut. Dr. Oliver Niemzig war auch voll dabei mit Gedanken und Körpereinsatz. Der kleine Hof war brechend voll, aber wahrscheinlich hätte er auch völlig ohne Gäste so hingebungsvoll gespielt. Nicht alle sind wegen ihm gekommen, viele wollten auch nur das Absinthfrühstück genießen, aber es gab ganz offensichtlich keinen, der auf die musikalische Untermalung hätte verzichten wollen. Dafür war es zu gut. Über Leipzig lachte an diesem Samstag die Sonne und so genossen wir im nahegelegenen Johannisfriedhof die wärmenden Strahlen und das leuchtende Grün der Bäume, bevor wir in Auerbachs Keller gingen für eine Stärkung. Leider haben wir wegen dem leckeren Mittagessen den Auftritt von Lord of the Lost (http://www.myspace.com/lordofthelost) verpasst, aber es reichte noch, mir ihre CD „Fear“ zu kaufen und vom Lord persönlich signieren zu lassen. Jetzt kann ich die genial tiefe Stimme daheim so oft genießen wie ich möchte. Zu jeder Tages- und Nachtzeit und sogar beim Essen. Es war auch beruhigend zu sehen, wie fertig er schon am zweiten Tag des WGT aussah. Noch hatte ich gute Hoffnung, selbst am vierten und letzten Tag frischer dreinzublicken.

Einmal da im Kohlrabizirkus blieben wir gleich für die nächste Band My Insanity. Wir hätten uns diese Band sicher nicht rausgesucht, aber als wir da so saßen, waren wir doch recht angetan. Der Rhythmus ließ uns während des ganzen Auftritts nicht los. Als wir uns umblickten sahen wir auch, dass sich die Musik gut als Begleitung zum Lesen eines Buches eignet, obwohl ich das vorher mit Sicherheit vehement abgestritten hätte. Im Kohlrabizirkus ist es kalt und so wollten wir dann doch wieder raus an die Sonne. Die strahlte zwar noch so hell wie gute 1,5 Stunden vorher, doch ein sibirischer Wind hatte die Stadt nun ergriffen. Nicht so schlimm, denn für mich stand als nächstes ein Besuch in der Thomaskirche auf dem Programm. Dort sang ein kleiner Chor Lieder des Mittelalters und der Renaissance. Das war angenehm entspannend, also Augen zu und genossen. Draußen kühlte es derweil noch mehr ab. Als ich dann nach einer Stunde genug entspannt war und die Kirche verließ, konnte ich nur noch an warme Kleidung denken. Also ab nach Hause. Von dort wäre es auch nicht weit gewesen zum Felsenkeller oder Superkronik, beides noch dick angestrichen im Plan. Aber erst gab es stärkendes Schokoladeneis mit fetten Schokostücken und dazu eine lehrreiche Folge der US Erfolgs-Serie “Bones”, in welcher der Unterschied zwischen Death Metal und Black Metal erklärt wird. Man kann ja nicht nur feiern. Danach fehlten uns aber Lust und Elan noch einmal aufzuspringen und uns unters Volk zu mischen. Also suchten wir stattdessen wieder auf MySpace nach Bands für Sonntag und gingen verhältnismäßig früh ins Bett.

Den Pfingstsonntag starteten wir dann auch leicht dekadent mit einem Brunch im Ring Café, nachdem wir zu Hause Brötchen und Kaffee zum Frühstück hatten. Aber wann hat man schon mal die passende Gelegenheit, in dem Saal zu sitzen und den alten DDR Charme zu genießen bei Livemusik von Klavier und Geige? Kreativ wie wir sind überlegten wir uns auch gleich verschiedene Filmszenen, die man dort super drehen könnte. Das Essen war übrigens auch nicht zu verachten. Besonders für mich als Veganer gab es ein nettes Angebot.

weiter >>