Am Wochenende begab ich mich nach Bielefeld, um im
nahegelegenen Schloss Holte ein kleines aber wirklich feines Festival zu
besuchen mit Bands meiner Jugend wie Papa Roach und Dog Eat Dog, aber auch
Bands eurer Jugend wie Itchy Poopzkid. Ganz besonders hab ich mich jedoch auf
Flogging Molly gefreut.
Als ich am frühen Nachmittag auf das Gelände kam, war die
Menge noch recht überschaubar. Kein Wunder, die meisten Besucher haben schon am
Freitag bis spät in die Nacht gefeiert mit Subway to Sally, Paradise Lost und
vielen anderen. Merkt man schon was an der Bandauflistung? Viele alte Bands aus
den späten Neunzigern beglücken wieder das Publikum. Kein Wunder, wenn von
heutigen Künstlern nur noch Retortenmusik produziert wird.
Es spielten gerade Eschenbach und ich nutze die Möglichkeit,
das Gelände in Ruhe zu erkunden. Zu diesem Moment kamen noch etwa ein
Getränkestand auf zwei Festivalbesucher. Für das leibliche Wohl war also
wirklich bestens gesorgt. Für mich gab es sogar veganes Essen, also holte ich
mir eine Portion und nahm am hintersten Ende Platz, um erst einmal die
Athmosphäre auf mich wirken zu lassen. Noch erinnerte nur das vertrocknete Gras
an Serengeti. Doch schon wenig später sollte es richtig wild werden.
Dog Eat Dog standen an. Diese Band
ist seit 20 Jahren ein Garant für wilde geile Auftritte und nun konnte auch ich
mich davon überzeugen. Sie spielten viel vom Play Games Album, das auch ich
noch gut kenne, also war es mir ein leichtes, mitzusingen und abzugehen wie
auch die anderen Feierwütigen. Nur das Pogen haben ich den jüngeren überlassen.
John ließ uns nicht eine Verschnaufpause, es folgte ein Kracher auf den
anderen. Die Menge war sichtlich dankbar, als sie von den Securitys mit einem
Wasserschlauch erfrischt wurde.
Gerne hätte ich gefragt, ob sie etwas neues in der Pipeline
haben. Immerhin sind sie noch bis Herbst auf Tour, auch mit Shows in
Deutschland. Da wäre doch ein neues Album angebracht. Aber leider hatten sie
noch einen weiteren Auftritt an dem Tag und so reichte die Zeit mit Dave nur,
um rauszufinden, dass es uns beiden gut geht.
Valient Thorr folgten und machten weiter wo die
amerikanische Vorzeige-Crossoverband aufgehört hatte und hatten nun leichtes
Spiel. Die Meute noch in bester Stimmung hätten sie auch mit halber Kraft
spielen können. Aber auch sie gaben alles. Allerdings hab ich mir die Band
lieber mit dem Rücken angeschaut. Wie ihr wißt, bin ich ein optischer Typ und
hab gerne was fürs Auge. Ich versuchte, mich auf die knallroten Stiefel des
Sängers zu konzentrieren. Das aber auch immer die am merkwürdigsten aussehenden
Leute die beste Musik machen. Wie gut, dass VIVA und MTV nicht mehr viel mit
Musik am Hut haben, so kommen auch solche Bands wieder zu Hörern.
Dann folgte eine weitere Premiere für mich. Ich hab endlich
rausgefunden, wie Itchy Poopzkid klingen. Viel hab ich nicht erwartet, sind es
doch zu großen Teilen die jüngsten Musikhörer, die in Fanshirts der deutschen
Band rumlaufen. Der Sound passte dann gar nicht zu meiner Vorstellung. Aber ich
verstand schnell, was die Fans an diesem Gespann so lieben. Mit allerlei
verrückten Ideen hielten sie die wildgewordene Menge in Aktion. Bitte einmal im
Kreis pogen, nun gegenüber aufstellen und aufeinander zu rennen ... Wie gut,
dass ich mich in eine Ecke verzogen hatte und das Schauspiel aus der Ferne
genoss. Aber nicht das ihr denkt, die drei lassen nur machen, nein, Sänger Sibbi
stellte sich auf einen Gitarrenkoffer, den einige starke Fans in den ersten
Reihen tapfer hoch hielten. Gitarrist Panzer bedankte sich im Anschluss artig,
dass man ihn nicht hat fallen lassen, obwohl er zugeben mußte, dass er das
gerne gesehen hätte. Ich auch. Wäre aber dennoch schade gewesen, wenn deswegen
der eh schon nur kurze Auftritt hätte abgebrochen werden müssen.
Auf den Gig der Apokalyptischen Reiter konnte ich mich nicht
mehr konzentrieren. Für mich stand im Anschluss ein kurzes Interview mit
Flogging Molly auf dem Programm und ich war reichlich nervös. Also setzte ich
mich wieder ganz nach hinten und versuchte mich zu sammeln. Vergeblich.
Vielleicht hätte ich mich lieber ablenken und die Kostüme der Reiter anschauen
sollen.
Die Umbaupause die folgte nutzte ich dann für meinen Plausch
mit Dennis Casey und Nathan Maxwell. Davon an anderer Stelle mehr.
Nathan freute sich sehr auf den Auftritt von den Briten
Skindred die unmittelbar folgten. Damit konnte ich nun gar nichts anfangen,
aber genau so sollte es bei einem guten Festival sein. Eine Dauerparty, die für
jeden Gast etwas zu bieten hat.
Und schon folgte mein ganz persönlicher Höhepunkt. Flogging
Molly gaben alles. Und so auch ich. Ich sang lauthals mit und wäre mein Fuß
nicht bandagiert, hätte ich auch getanzt. Hab in Dublin ja gelernt, wie es
geht. Ich wurde von Mitarbeitern des Festivals belächelt. Oder haben sie sich
gefreut für mich? Jedenfalls wirkte das Grinsen von allen Seiten auf mich noch
weiter stimmungssteigend. Bis sich dann der Sänger von Itchy Poopzkid vor mich
stellte und ich nichts mehr sah. Was mich aber nicht davon abhielt, weiter zu
singen und mit den Füßen zu wippen.
Von Papa Roach sah ich leider nur noch die Bühnengestaltung,
dann nahm ich den Shuttlebusservice wahr, der extra für das Festival
eingerichtet wurden war und die Besucher in die umliegenden Städte heim
brachte. Ein Hoch auf die Organisation, da hat man für die begeisterten
Besucher wirklich alles möglich gemacht. Wenn mal wieder eine Band für mich
dabei ist, oder zwei oder drei, komme ich bestimmt gerne zurück.
Doch für heute bleibt mir nur noch, mich zu verabschieden
und ich tue dies mit einem Zitat von Valient Himself, seineszeichen Sänger von
Valient Thorr: Go please your girlfriends.